Karl Schmidt-Hellerau

         (1873 - 1948)

Das „Dresdner Hausgerät“ als Synonym für „deutsche Möbelformen“ - geradlinig und sachlich, seriell hergestellt und erschwinglich - war die Maxime des Tischlers und Sozial-reformers Karl Schmidt. Er gründete 1898 in Dresden die Deutschen Werkstätten Hellerau.

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I

                 Kurzbiographie

Karl Schmidt-Hellerau wurde am 1. Februar 1873 in Zschopau (Sachsen) geboren. Nach Abschluss einer Tischlerlehre in Zschopau arbeitete er als Geselle in Kopenhagen, Göteborg, London, Bremen und Berlin. 1898 gründete er die "Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst Schmidt & Engelbrecht". 

1907 war Schmidt Mitbegründer des Deutschen Werkbundes.

(zitiert aus "Gesichter des Deutschen Kunstarchivs") 

                                                                                               

Schmidt war bestens vernetzt und schaffte es, namhafte Gestalter wie Mackay Hughes Baillie Scott, Karl Bertsch, Charles Rennie Mackintosh, Bruno Paul, Richard Riemerschmid oder Adolf G. Schneck an die Deutschen Werkstätten zu binden. 

Insbesondere in den Anfangsjahren, gemeinsam mit dem Entwerfer Richard Riemerschmid  und dessen in 1906 entworfenem "Dresdner Hausgerät", der ersten sogenannten "Maschinen-Möbel-Serie", haben die deutschen Werkstätten internationale Möbelgeschichte geschrieben.

                                                                    

Ein klares, ornamentloses Design war Ausdruck einer  solchen maschinengestützten seriellen Fertigung und prägte damit eine neue Ästhetik im Möbelbau. Die modernen, funktionellen Möbel „aus dem Geist der Maschine“ waren zu ihrer Zeit geschmacksbildend in Deutschland und Europa. 

 

Im Vorwort des Preisbuches 1906 schreibt Hermann Muthesius: in  "Das Maschinenmöbel"  :

" ..... was bis heute in Deutschland noch gänzlich fehlt, ist Das anständige Möbel für den gemeinen Mann. Ein Möbel ohne Prätention, von einfacher, würdiger Erscheinung, aber höchster Gediegenheit in Material und Ausführung. ...."    „Das ganze Bestreben geht darauf hin, in größerer Herstellung ein technisch vollkommenes, preiswertes, nach Originalentwürfen erster Künstler gefertigtes Möbel zu schaffen.“

 

Noch in den zwanziger und dreißiger Jahren beeinflussten die Deutschen Werkstätten Hellerau die Entwicklung der Möbelindustrie ganz entscheidend. Beispiele sind das Typenprogramm „Die billige Wohnung“ von Schneck oder „Die wachsende Wohnung“ von Bruno Paul.

 

Ein weiteres von Karl Schmidt initiiertes Projekt, welches über die Landesgrenzen hinausstrahlte, war Deutschlands erste Gartenstadt in Dresden - Hellerau.  Im Nachhinein eine soziale Utopie, sollte es in einer Symbiose aus Arbeiten, Wohnen, Familie, Erholung und kultureller Bildung dazu beitragen, den Alltag der Menschen lebenswert zu gestalten.

Die Stadt Dresden ehrte ihn 1938 für sein Lebenswerk mit der Namensgebung Karl Schmidt-Hellerau.

 

Er verstarb am 6. November 1948 in Hellerau.